Tastaturen für erweitertes Lateinisch, Griechisch und das phonetische Alphabet

Für Tavultesoft Keyman, Version 5.0

Lukas Pietsch

(Englische Version. Deutsche Version)

Dies ist eine Gruppe von drei Tastaturlayouts für die Eingabe von mehrsprachigem Text in Windows. Sie ist vor allem gedacht für Philologen und Sprachwissenschaftler. Alle drei Tastaturen machen reichlich Gebrauch von „Deadkeys“ (Akzenttasten) und AltGr-Tastenkombinationen, um eine möglichst große Menge von Zeichen zugänglich zu machen. Alle drei Tastaturen basieren auf der deutschen Tastaturbelegung und sind vor allem für deutsche Benutzer gedacht.

Systemvoraussetzungen

Diese Tastaturen funktionieren unter allen aktuellen Versionen von Windows. Zu ihrer Verwendung benötigt wird das Tastaturprogramm „Tavultesoft Keyman“ (Version 5.0 oder höher). Falls die Runtime-Version von Keyman nicht bereits in dieser Packung enthalten war, können Sie sie kostenlos von www.tavultesoft.com. herunterladen. Die Tastaturen setzen 102-Tasten-Tastaturen voraus (d.h. solche mit elf Tasten in der unteren Reihe), wie sie in Deutschland üblich sind. Die phonetische Tastatur kann allerdings auch mit den in Amerika üblichen 101-Tasten-Tastaturen benutzt werden.

Diese Tastaturen sind für Unicode-Text ausgelegt. Leider können nicht alle heute verbreiteten Computerprogramme Unicode-Text anzeigen, und schlimmer noch, in Windows 95/98/ME können selbst von diesen Programmen die meisten noch keine Tastatureingaben in Unicode verarbeiten. Allgemeine Informationen zu Unicode finden sie unter www.unicode.org. Bitte informieren Sie sich auf der Website von Tavultesoft darüber, welche Programme derzeit Unicode-Eingaben mit Keyman verarbeiten können. Nur soviel: MS Word 97 und MS Word 2000 tun dies, aber wenn Sie sie unter Windows 95/98/ME laufen haben, brauchen Sie zusätzlich noch ein Add-In namens „WordLink“, das ebenfalls bei Tavultesoft frei erhältlich ist.

Die lateinische und griechische Tastatur in dieser Packung können auch mit Nicht-Unicode-Programmen verwendet werden. Dann verwenden sie lediglich eine Untermenge der in den Unicode-Versionen enthaltenen Zeichen, nämlich diejenigen, die im westeuropäischen bzw. griechischen Windows-Zeichensatz enthalten sind. Das ist immer noch deutlich mehr als auf den normalen Windows-Tastaturen. Die griechische Tastatur beschränkt sich dann auf monotonisches Griechisch.

Falls Sie diese Tastaturen ändern und an Ihre eigenen Bedürfnisse anpassen wollen, habe ich prinzipiell nichts dagegen. Sie bräuchten dann noch zusätzlich die Entwicklerversion von Keyman, die als Shareware erhältlich ist. Eine voll funktionsfähige Probeversion gibt es bei Tavultesoft zum Herunterladen. Die Dateien mit dem Quellcode für diese Tastaturen (Dateiendung .kmn) können Sie mit dieser Packung zusammen erhalten.

In dieser Packung sind keine Fonts enthalten. Für Schriftartdateien, die alle von Ihnen gewünschten Zeichen enthalten, müssen Sie selbst sorgen. Fast alle geläufigen Windows-Fonts sind Unicodefonts, aber jeder von ihnen enthält bloß eine willkürlich festgesetzte Untermenge des (insgesamt riesigen) Zeichenrepertoires von Unicode. Sie können diese Tastaturen also prinzipiell mit jedem beliebigen Font verwenden, werden aber bei manchen Tasten vielleicht leere Kästchen sehen, falls der gewählte Font das entsprechende Zeichen nicht enthält. Die meisten der Zeichen in der erweitert-lateinischen Tastatur sind in den meisten geläufigen Fonts enthalten; dasselbe gilt für monotonisches Griechisch. Für polytonisches Griechisch ist der beste Font zur Zeit Palatino Linotype (enthalten in Windows 2000). Für phonetische Symbole ist der wohl beste Font Lucida Sans Unicode. Außerdem gibt es Arial Unicode, das fast den gesamten Unicode-Zeichensatz enthält und mit verschiedenen neueren Microsoft-Produkten geliefert wird. Es gibt außerdem eine Reihe von kostenlosen oder Shareware-Fonts, allerdings sind die meisten davon den von Microsoft gelieferten Fonts an Bildschirmanzeigequalität unterlegen; manche enthalten außerdem Fehler bei einzelnen Zeichen. Empfehlenswert sind „Code2000“ (von James Kass, Shareware) und „TITUS Cyberbit Basic“. Von David Perry gibt es ebenfalls einen umfangreichen, kostenlosen Unicode-Font für Philologen namens „Cardo“.

Wichtig: Zur Installation

Keyman-Tastaturen können auf zwei Arten auf Ihrem System installiert sein. Solange Sie eine Tastature nur mit Keymans eigenem Installationsmechanismus einrichten, steht sie Ihnen neben Ihrer normalen Windows-Tastatur zum Hin-und-Herschalten zur Verfügung. Technisch gesehen läuft ihr gewohnter Windows-Tastaturtreiber auch unter der Keyman-Tastatur weiter, während Sie diese benutzen.

Sie können eine Keyman-Tastatur aber auch anstelle Ihres gewohnten Windows-Tastaturtreibers einrichten, falls Sie mit ihr ständig und in allen Programmen arbeiten wollen. Die lateinische und griechische Tastatur in dieser Packung eignen sich für diesen Zweck. Dazu installieren Sie sie erst in Keyman und wählen sie dann in der Windows-Systemsteuerung (unter „Tastatur“—„Sprache“) als Voreinstellung für die jeweilige Sprache (Deutsch bzw. Griechisch). Die Namen, unter denen sie in der Liste der verfügbaren Tastaturlayouts in der Windows-Systemsteuerung erscheinen werden, sind „German Extended Unicode“ bzw. „Greek Extended Unicode“.

Falls Sie die letztere Installationsart wählen, hört der normale deutsche Windows-Tastaturtreiber auf zu arbeiten. Aufgrund bestimmter technischer Beschränkungen in Keyman wird dann unter der Keyman-Tastatur jedesmal automatisch der US-englische Tastaturtreiber geladen. Leider funktionieren aber Keyman-Tastaturen unterschiedlich je nach dem, über welchem Windows-Tastaturtreiber sie laufen. Damit Sie also bei beiden Installationsarten dieselbe Funktionalität bekommen, habe ich von jeder Tastatur zwei unterschiedliche Versionen herstellen müssen. Bitte installieren Sie jeweils immer nur eine Gruppe von Tastaturen gleichzeitig, und zwar nach der folgenden Regel:

Die Dateien LPGermanUni.kmn, LPGreekUni.kmn und LPPhoneticUni.kmn sind die für den deutschen Tastaturtreiber bestimmten Versionen. Bitte installieren Sie nur diese Dateien, wenn ihr normaler Windows-Tastaturtreiber ein deutscher ist und sie diese Tastaturen nur zeitweise zum Hin-und-Herschalten neben Ihrer normalen deutschen Windowstastatur verwenden wollen.

Falls Sie eine dieser Tastaturen ständig als Voreinstellung für Deutsch oder Griechisch in allen Programmen verwenden wollen, oder falls Sie sowieso mit einem US-englischen Tastaturtreiber arbeiten, dann deinstallieren Sie bitte zunächst die vorige Gruppe von Keyman-Tastaturen und installieren Sie anstelle davon die drei Dateien LPGermanUniE.kmn, LPGreekUniE.kmn und LPPhoneticUniE.kmn. Diese sind für den US-englischen Tastaturtreiber ausgelegt. Das Verhalten jeder der Tastaturen wird in beiden Fällen dasselbe sein; sie simulieren stets die normale Tastenverteilung der deutschen Tastatur.

Wenn Sie diese Tastaturen in einer anderen Konstellation, mit einem anderem als dem vorgesehen Tastaturtreiber verwenden, kann ich nicht sagen, was geschehen wird. Wahrscheinlich werden alle Zeichen verfügbar sein, aber sich auf unterschiedliche physische Tasten verteilt befinden.

Das Problem der unterschiedlichen Installationsarten wird wahrscheinlich mit der nächsten Version von Keyman (5.1) behoben werden. Danach wird voraussichtlich nur noch ein Satz von Tastaturen, nämlich der für den deutschen Treiber, notwendig sein.

Beschreibung der Tastaturen

Die lateinische Tastatur (LPGermanUni)

Die Tastenverteilung auf der lateinischen Tastatur ist grundsätzlich dieselbe wie auf der normalen deutschen Windows-Tastatur, mit nur einer Ausnahme: Die Taste oben links produziert im Shift-Zustand nicht das Grad-Symbol (°), sondern fungiert als Deadkey, der hochgestellte Versionen anderer Zeichen wie zum Beispiel ¹ ² ³ ª º produziert. Das Grad-Symbol erhalten Sie, wenn Sie diese Taste und danach die Leertaste drücken. Die hochgestellten Zeichen haben ihre eigenen Zeichencodes; sie sind also nicht dasselbe wie wenn Sie in einem Textverarbeitungsprogramm „hochgestellt“ als Zeichenformatierung wählen und dann die normalen Zeichen eintippen. Bei der Unicode-Version der lateinischen Tastatur gibt es außerdem auch einige niedriggestellte Versionen von Zeichen; diese können Sie erreichen, wenn Sie die Superscript-Taste zweimal drücken. In den Tabellen am Ende dieses Dokuments können Sie sehen, mit welchen Zeichen dieser Mechanismus funktioniert.

Ein weiterer grundsätzlicher Unterschied zur normalen deutschen Tastatur ist, dass die Capslock-Taste wie bei den meisten ausländischen Tastaturen funktioniert und nicht wie auf der deutschen (oder wie auf einer mechanischen Schreibmaschine). Das heißt erstens, dass die Capslock-Taste nur auf Buchstabentasten, nicht auf die anderen Zeichen einen Effekt hat. Zweitens kann man den Capslock-Zustand nur durch erneutes Drücken derselben Taste wieder abschalten, nicht aber, wie auf der normalen deutschen Tastatur, durch Drücken der Shift-Taste.

Sie können eine große Zahl zusätzlicher Zeichen mit den AltGr- oder Shift-AltGr-Tasten erreichen. Darunter sind sprachspezifische Zeichen wie ø oder ð, archaische Zeichen wie Wynn oder Yogh, und einige typographische Sonderzeichen. In der nicht-Unicode-Version ist nur eine Untermenge der auf der Unicode-Version verfügbaren Zeichen enthalten.

Es gibt außerdem eine ziemliche Anzahl von zusätzlichen Deadkeys, d.h. Akzenttasten, die vor dem Buchstaben gedrückt werden. Abgesehen von der Akut-, Grave- und Zirkumflextaste, die Sie von der normalen Windows-Tastatur kennen, und der schon erwähnten Superscript-Taste gibt es auf den Tasten oben links und oben rechts Kombinationen für Tilde (ñ), Haček (č) und Diaeresis (ë). Auf AltGr-Bindestrich und Shift-AltGr-Bindestrich finden Sie Breve (ă) und Macron (ā). Daneben, auf AltGr-Punkt und Shift-AltGr-Punkt gibt es Tasten für Punkt über (ė,ċ,ŀ) und Punkt unter (ḥ,ḍ) dem Buchstaben. (Diese Taste kann übrigens auch für İ und ı verwendet werden, aber diese Zeichen sind noch einfacher auch auf AltGr-i und Shift-AltGr-i zu finden.) Eine ganze Gruppe verbleibender Diakritika lässt sich mit AltGr-Komma erreichen. Je nach dem folgenden Buchstaben produziert diese entweder einen Buchstaben mit Cedilla (ç,ş), mit Ring (å,ů) oder mit Schrägstrich (ø,ł,đ). Darüber, auf Shift-AltGr-Komma, gibt es eine Taste für Ogonek (ą,ę) und Komma unter dem Buchstaben (ţ,ş). Die Kombination Superscript+Macron+Buchstabe produziert einen Buchstaben mit Unterstrich und Superscript+Tilde+Buchstabe einen mit Untertilde.

Im Block „Latin-Extended B“ von Unicode finden sich eine kleine Zahl von Zeichen mit zwei Akzenten. Sie können diese produzieren, indem Sie beide Deadkeys nacheinander und dann den Buchstaben drücken. Für die größere Anzahl von Doppelakzent-Buchstaben im Block „Additional Latin Extended“ (die für Vietnamesisch verwendet werden) habe ich noch keine Vorsorge getroffen.

Es gibt außerdem noch einen Deadkey für verschiedene typographische Varianten von Anführungszeichen. Er findet sich bei AltGr-2, also auf derselben Taste wie das normale hohe Anführungszeichen. Wenn Sie AltGr-2 und danach (ohne AltGr) eine weitere Zahlentaste zwischen 1 und 0 drücken, bekommen Sie eines der folgenden Zeichen: „ “ ” ‚ ‘ ’ ‹ « » ›. (Für deutsche Anführungszeichen benutzen Sie die Nummern eins und zwei in dieser Reihe, für Englische die Nummern zwei und drei.)

Der letzte besondere Deadkey ist die Ligatur-Taste, rechts oben auf Shift-AltGr-Akut. Wenn Sie diese zwischen zwei anderen Zeichen drücken, werden diese beiden zu einem ligierten Zeichen zusammengezogen. Das funktioniert zur Zeit mit den typographischen Ligaturen fi, fl, ff, ffl, ffi, ſt; mit den Buchstabendigraphen IJ, ij, DZ, Dz, dz, Æ, æ, Œ, œ; mit den Bruchzahlen ½ ⅓ ¼ ⅕ ⅙ ⅛ ⅖ ⅗ ⅘ ⅚ ⅜ ⅝ ⅞ (dazu tippen Sie einfach die beiden Zahlen, ohne Schrägstrich, und dazwischen die Ligaturtaste); für die kombinierten Frage-/Ausrufezeichen ‼, ⁉, ⁈, ‽;; für die Emoticons und (drücken Sie Doppelpunkt und öffnende/schließende Klammer und dazwischen die Ligaturtaste); und schließlich für das Trademark-Zeichen ™. Verstehen Sie mich allerdings bitte nicht so, als würde ich alle diese Zeichen gleichermaßen sinnvoll finden und zur Benutzung empfehlen. Die Ligatur-Taste hat auch noch eine weitere besondere Funktion. Wenn Sie sie nach einem Buchstaben drücken und dann eine der anderen Akzent-Tasten, bekommen Sie den Akzent als kombinierendes Zeichen über dem vorausgehenden Buchstaben. Dies ist in den Ausnahmefällen sinnvoll, falls Sie eine Buchstaben-Akzent-Kombination brauchen, für die es in Unicode kein vorgefertigtes kombiniertes Zeichen gibt. Ansonsten produzieren die Akzent-Deadkeys immer nur die vorkombinierten Zeichen.

Ein paar Einzelheiten: AltGr-Leertaste produziert nicht das normale Leerzeichen sondern ein geschütztes Leerzeichen (praktisch für Ausdrücke wie „S. 12“, wo Sie keinen Zeilenumbruch nach „S.“ haben wollen). Shift-AltGr-Leertaste ergibt eine extrabreites Leerzeichen („Em Space“). AltGr-m ergibt den extrabreiten Gedankenstrich („Em Dash“), AltGr-n den normalen Gedankenstrich („En Dash“). AltGr-b sollte einen geschützten Bindestrich ergeben, allerdings scheint dies in Word 97 nicht zu funktionieren. Auf Shift-AltGr-Klammer bekommen Sie die Zeichen linker und rechter kleiner Halbkreis (nützlich für arabische Transliteration). Das Zeichen auf Shift-AltGr-6, also auf derselben Taste wie das kaufmännische „und“ (&), ist das sogenannte „tironische und“-Zeichen (nützlich für Altenglisch).

Die griechische Tastatur (LPGreekUni)

Die Verteilung der griechischen Buchstaben ist etwas anders als auf den normalen griechischen Windows-Tastaturen. Sie entspricht mit der Ausnahme von Θ im wesentlichem der bekannten griechisch-lateinischen Transliterationskonvention Beta-Code. Die Deadkeys für monotonisches Griechisch (Tonos, Diaeresis sowie Tonos-und-Diaeresis) sind angeordnet wie auf der griechischen Windows-Tastatur. Alle übrigen Tasten sind wiederum wie auf der deutschen Tastatur. Auch hier funktioniert AltGr-2 als Anführungszeichen-Deadkey und Shift-Zirkumflex als Superscript-Deadkey.

Die polytonische (d.h. Unicode-) Version der griechischen Tastatur hat die folgenden zusätzlichen Tasten. Akut (οξία), Grave (βαρία) und Zirkumflex (περισπωμένη) sind an denselben Stellen wie auf der lateinischen Tastatur. Dasselbe gilt für Makron und Brevis sowie für Überpunkt und Unterpunkt. Spiritus Asper (δασία) und Spiritus Lenis (ψιλή) sind auf der Q- bzw. Ü-Taste. Die Spiritus-, Akzent- und Diaeresis-Tasten können in beliebiger Reihenfolge vor dem Buchstaben gedrückt werden und ergeben automatisch das richtige kombinierte Zeichen. AltGr-Komma (wo auf der lateinischen Tastatur die Cedilla ist) ergibt das Iota Subscriptum. Aber Achtung: anders als alle anderen Akzenttasten müssen die Iota-Subscriptum-Taste sowie die Überpunkt- und Unterpunkt-Tasten nach dem Buchstaben gedrückt werden. Shift-AltGr-Komma ergibt ein Iota-Adscriptum-Zeichen. Auf Shift-Ü ist das untere Zahlzeichen (κεραία) und auf AltGr-Ü das obere Zahlzeichen.

Die Zirkumflextaste ist hier natürlich nicht für den lateinischen sondern den griechischen Zirkumflex, der je nach Font entweder wie eine Tilde oder wie eine umgedrehte Brevis aussehen kann. Wichtig zu beachten ist außerdem, dass es getrennte Tasten für den monotonischen Akzent („Tonos“) und den polytonischen Akut („Oxia“) gibt, die auch tatsächlich unterschiedliche Zeichencodes produzieren. Dies ist eine Problemzone in Unicode. „Tonos“- und „Oxia“-Zeichen haben einerseits getrennte Codewerte, andererseits gelten sie aber dem Unicode-Standard zufolge als „kanonisch äquivalent“. Das heißt, dass sie eigentlich als identisch behandelt werden und auch in Fonts identisch aussehen müssten. In manchen Fonts tun sie das tatsächlich; in anderen hingegen haben sie unterschiedliche Formen (die „Tonos“-Zeichen zeigen einen senkrechten und die „Oxia“-Zeichen einen geneigten Strich, was der typographischen Tradition in Griechenland keinesfalls entspricht.) Solange diese verwirrende Situation anhält, kann ich nur dringend empfehlen, beide Zeichen konsequent auseinander zu halten. Verwenden Sie die „Tonos“-Zeichen (trotz dem häßlichen senkrechten Strich in vielen Fonts) stets für monotonisches Griechisch und die „Oxia“-Zeichen stets für polytonisches Griechisch.

Beachten Sie bitte außerdem, dass Sie die Iota-Subscriptum-Taste auch mit Großbuchstaben verwenden können. Dabei wird das Iota, je nach Font, entweder als Subskript oder als Adskript dargestellt. Die Subskriptform ist für manche Philologen ungewohnt, gilt aber in Griechenland durchaus als korrekt. Falls Sie sichergehen wollen, dass Sie in jedem Font eine Adskriptform bekommen, verwenden Sie die Iota-Adscriptum-Taste auf Shift-AltGr-Komma oder einfach den normalen Iota-Buchstaben.

Einige ungewöhnliche Kombinationen von Buchstaben und Akzenten (z.B. Großbuchstaben mit Zirkumflex aber keinem Spiritus) haben in Unicode keine vorkombinierten Zeichen. Für diese Fälle greift diese Tastatur auf Zwei-Zeichen-Kombinationen zurück. Diese Lösung habe ich auch für das große Rho mit Spiritus Asper gewählt, obwohl dieses eine vorkombinierte Repräsentation in Unicode besitzt. Dieses Zeichen wird jedoch in Palatino Linotype falsch dargestellt. Die Tasten für Überpunkt und Unterpunkt benutzen stets die kombinierenden Akzentzeichen (anders als auf der lateinischen Tastatur, die sich auf die vorkombinierten Zeichen beschränkt, außer wenn man kombinierende Akzente mit der Ligaturtaste erzwingt.)

Die AltGr-Kombinationen auf der Nicht-Unicode-Version der griechischen Tastatur sind ansonsten mehr oder weniger wie die auf der lateinischen Tastatur. Die Unicode-Version hat zusätzlich Sonderzeichen wie Stigma, Sampi, Koppa und Digamma; koptische Buchstaben, das c-förmige Sigma sowie die kai-Ligatur. Beachten Sie bitte, dass viele Fonts nicht immer getrennte Groß- und Kleinbuchstaben für manche dieser Zeichen haben werden. Hier besteht eine gewisse Verwirrung wegen kürzlicher Änderungen in Unicode.

Es gibt in Unicode außerdem ein Zeichen namens "griechisches Jot". Anscheinend ist es gedacht zur Darstellung des palatalen Gleitlauts im vorliterarischen Griechisch in der historischen Sprachwissenschaft. Dass es seinen eigenen Codewert hat, liegt angeblich daran, dass manche es als ein <j> und manche als ein <y> darstellen. Der Code für das "griechische Jot" soll also je nach Font entweder in den einen oder in den anderen Buchstaben umgesetzt werden dürfen. Wenn das so ist, halte ich seine Verwendung für nicht empfehlenswert. Ein Autor dürfte daran interessiert sein, selbst darüber bestimmen zu können, ob seine Leser ein <j> oder ein <y> zu sehen bekommen; deshalb sollte man sicherheitshalber die normalen Ascii-Zeichen für das lateinische <j> oder <y> verwenden. Das „griechische Jot“ ist deshalb in meiner Tastatur nicht enthalten.

Die phonetische Tastatur (LPPhoneticUni)

Auf dieser Tastatur gibt es fast alle Symbole, die im Handbook of the International Phonetic Association (Cambridge 1999) aufgelistet werden, mit Ausnahme der Sonderzeichen für pathologische Sprachproduktion und einiger Tonsymbole. Alle normalen lateinischen Kleinbuchstaben sind an ihrem normalen Ort (mit Ausnahme von g, siehe unten) und die gebräuchlisten der übrigen IPA-Zeichen sind auf Shift- oder AltGr-Kombinationen darüber. Viele andere Tasten produzieren Diakritika oder modifizieren den Grundbuchstaben. Dabei gibt es einen grundlegenden Unterschied zu den anderen beiden Tastaturen: während man auf den anderen Tastaturen die Deadkeys vor dem Buchstaben drücken muss, drückt man sie hier danach. Das war einerseits leichter zu programmieren, andererseits scheint es mir in diesem Fall tatsächlich auch leichter zu erlernen zu sein; denn auf diese Weise bekommt man nach jedem Tastendruck sofort die Rückmeldung, ob man korrekt getippt hat, während man bei Deadkeys immer erst einen weiteren Anschlag warten muss.

Diese Tastatur verwendet übrigens, anders als die beiden anderen, routinemäßig auch kombinierende Akzentzeichen, bevorzugt jedoch vorkombinierte Zeichen, sofern diese existieren. Die Wahl zwischen beiden trifft die Tastatur automatisch. Ebenfalls automatisch erfolgt die Wahl zwischen Platzierung über oder unter dem Buchstaben im Falle bestimmter Diakritika, wo dies laut IPA erlaubt ist.

Einige Modifikatortasten produzieren keine Diakritika, sondern verändern den Grundbuchstaben selbst. Dies gilt für die Superskript-Taste (genau wie auf den anderen Tastaturen), für die Kapitälchen-Taste, die Implosiv-Taste, die Retroflex-Taste und die Kringel-Taste (die letztere ist für die alveolo-palatalen Varianten von c und s). Manche der hierdurch erzeugten Zeichen sind aber auch direkt durch AltGr- oder Shift-Kombinationen verfügbar.

Es gibt eine weitere besondere Methode zur Eingabe seltener Vokalzeichen und Varianten von <r>, die sonst nirgendwo hin passten. Wenn man eine der Tasten <a, e, i, o, u, r> und danach eine Zahlentaste zwischen eins und neun drückt, bekommt man eine Variante dieses Buchstabens. Ausschlaggebend für die Wahl der Zahlen war, dass eine optische Beziehung besteht zwischen der Position der Zahl im Zahlenblock auf der Tastatur und der Position des Zeichens in der IPA-Tabelle. Auch hier gilt, dass die gebräuchlicheren Symbole außerdem auch direkt über Shift- oder AltGr-Tasten zugänglich sind.

Einige Hinweise: Die <g>-Taste ist nicht das normale Ascii-g sondern das („offene“) IPA-Zeichen ɡ (U+0261). Das normale g ist alternativ zu erreichen auf AltGr-g. Gleichermaßen ist das Ausrufezeichen nicht das normale Ascii-Zeichen sondern der Buchstabe für den Klicklaut (U+01C3); der Apostroph ist das Ejektiv-Zeichen (U+02BC), und der Doppelpunkt ist das Längenzeichen. Die senkrechten Strichzeichen auf der k- und der p-Taste sind die Symbole für Klicklaute, während die ähnlich aussehenden Strichzeichen auf der Taste links unten die Symbole für Intonationsgruppen sind. Die Zeichen der linken unteren Taste sind außerdem auf AltGr-2 bis AltGr-5 verfügbar. Dies ist für Nutzer mit 101-Tasten-Tastaturen, auf denen die linke untere Taste fehlt. Auf der Ü-Taste finden sich die Betonungszeichen, übrigens an derselben Stelle wie die ähnlich aussehenden griechischen Zahlzeichen auf der griechischen und das „Prime“-Zeichen auf der lateinischen Tastatur.

Tabellen

Die lateinische Tastatur (Nicht-Unicode)

Grün: Deadkeys.

Buchstaben mit Akzenten: ÁÉÍÓÚÝáéíóúý–ÀÈÌÒÙỲàèìòùỳ–ÂÊÎÔÛŶâêîôûŷ–ÄËÏÖÜŸäëïöüÿ–ÑÃÕñãõ–Šš–Çç–Åå

Die lateinische Tastatur (Unicode)

Deadkeys auf der lateinischen Tastatur. (Blau: Zeichen, die auch in der Nicht-Unicode-Version verfügbar sind.)

Sonstige Buchstaben mit Akzenten:

Die griechische Tastatur (Nicht-Unicode)

Die griechische Tastatur (Unicode)

Grün: Deadkeys (vor dem Buchstaben zu drücken). Gelb: Nach dem Buchstaben zu drücken.

Die phonetische Tastatur

Gelb: Nach dem Buchstaben zu drücken.

Modifizierer-Tasten auf der phonetischen Tastatur:

Buchstabenvarianten mit Zahlenkombination:

Ich hoffe, dass Sie diese Tastaturen nützlich finden werden. Bitte wenden Sie sich mit Kommentaren oder Verbesserungsvorschlägen an mich: lukas.pietsch (at) uni-hamburg.de.